Gefährdung

Die durch den Menschen bedingten Gefährdungsursachen des Kaiseradlers lassen sich in Bedrohungen mit Todesfolge, Brutverluste und Habitatzerstörung gliedern.


Bedrohungen mit Todesfolge

Vergiftung

Vergiftung stellt wohl die häufigste und folgenschwerste Gefahr für Greifvögel in Europa dar.

Bei der Vergiftung durch Chemikalien wird zwischen direkter und indirekter Vergiftung unterschieden. Die direkte illegale Vergiftung zielt auf die Tötung von Greifvögeln oder Raubsäugern ab, welche von den TäterInnen als Konkurrenten oder Schadtiere angesehen werden. Sie richtet sich direkt gegen die Tiere und oftmals werden illegale Substanzen wie etwa Carbuforan verwendet.

Die indirekte Vergiftung hingegen erfolgt durch den Missbrauch bzw. fehlerhafte Anwendung von legalen Schädlingsbekämpfungsmitteln. In diesen Fällen sind die Zielarten zumeist Kleinsäuger, welche aber oftmals als Nahrungsquelle für den Kaiseradler dienen. Die indirekte Giftaufnahme kann zu einer Anhäufung des Giftes führen, welche in einer Schwächung, der Unfruchtbarkeit oder gar dem Tod resultieren kann.

 

Vergiftete Kaiseradler (Fotos: Márton Horváth)

 

Die Vergiftung durch Blei stellt für eine Reihe von Greifvogelarten ein Problem dar und ist mehrfach belegt. Die Ursache liegt dabei in Fragmenten von Bleimunition in den Beutetieren bzw. deren Kadavern, welche durch die Greifvögel aufgenommen werden. Diese lagern sich nach und nach in den Tieren ab und können zu einer langsamen Bleivergiftung bis hin zum Tod der Tiere führen.

Der Einfluss von Bleivergiftungen auf die Kaiseradlerpopulation ist derzeit noch unklar, aber bei einer Reihe von ähnlichen Arten – wie etwa bei Steinadlern und Seeadlern – belegt. Es ist daher auch von einer hohen Relevanz dieses Problems beim Kaiseradler auszugehen.

Jagd

Der Abschuss von Kaiseradlern stellt eine weitere Art der direkten Verfolgung dar. Zumeist werden die Tiere mit Schrot geschossen und sterben entweder unmittelbar oder erliegen erst später qualvoll ihren Verletzungen. Nur in seltenen Fälle kann ein Vogel auch länger mit einer Schussverletzung überleben. Das Ausmaß der illegalen Abschüsse ist schwer zu erfassen, da diese überall und jederzeit stattfinden können.

 

Geschossener Seeadler (Fotos: Budapest Zoo, Péter Barcánfalvi - HNP archives)

 

Verkehrsunfälle

Die Kollision mit Zügen oder Fahrzeugen ist ebenfalls eine Bedrohung für den Kaiseradler. Ursache dafür ist einerseits, dass oftmals durch den Straßen- oder Zugverkehr getötete Beutetiere als Nahrungsquelle dienen und die Kaiseradler bei der Nahrungsaufnahme erfasst werden. Anderseits kann es zu Problemen kommen, wenn die Niststandorte zu nahe an Straßen bzw. Schienen liegen. Auch Kaiseradler, die bereits durch eine bestehende Bleivergiftung in ihrer Flugfähigkeit und Wahrnehmung beeinträchtigt sind, können häufiger Opfer von Kollisionen mit Fahrzeugen werden.

Stromtod

Eine weitere Gefahr stellen Freileitungen – vor allem Mittelspannungsleitungen (20-35 kV) – für die Vögel dar. Die Masten werden oft von Vögeln als Ansitz genutzt und durch das gleichzeitige Berühren zweier Kabeln oder der Erdung kommt es zu einem Kurz- oder Erdschluss. Die Tiere sterben dabei sofort oder werden tödlich verletzt. Je größer das Tier, desto wahrscheinlicher fällt es so dem Strom zum Opfer. Aber auch kleinere Greifvögel wie Turmfalken sind oft betroffen.

Durch Elektrizität getöteter Adler (Fotos: Imre Fatér)

 


Brutverluste

Aushorstungen und Nestraub

Unter der Aushorstung versteht man die gezielte Entnahme von Eiern oder Jungvögeln aus Gelegen. Zumeist geht es um den Verkauf der Eier und Jungvögel auf dem Schwarzmarkt. Die Jungvögel werden dabei für die Beizjagd abgerichtet und können so hohe Preise erzielen. Daher ist die Aushorstung von Greifvögeln nach wie vor ein Problem in Mitteleuropa.
Im Einzelfall kann es auch vorkommen, dass Gelege ohne kommerziellen Hintergrund durch lokale Personen, zumeist Kinder, geraubt werden. Dies geschieht zumeist aus Unwissenheit und die Tiere leiden oder sterben an nicht artgerechter Haltung.

Störungen

Störungen sind die mit Abstand häufigste Ursache für Brutverluste. Schätzungen zufolge sind 15 % aller Brutversuche aufgrund von Störungen erfolglos. Die Adler reagieren in Abhängigkeit des Zeitpunktes und des Ausmaßes unterschiedlich. Die häufigsten Auswirkungen sind:

  • Räumliche und zeitliche Verschiebung der Nutzung des Brutlebensraums. Größere und auch suboptimalere Bereiche müssen genutzt werden.
  • Horstverlagerung in suboptimale Habitatbereiche
  • Brutaufgabe bzw. geringere Brutpflege, welche zu höheren Brutverlusten durch Prädation oder Witterungseinflüsse führt
  • Verhaltensstörungen während der Jungenaufzucht (z.B.: selteneres Füttern)
  • Negative Effekte auf die Fitness der Alt- und Jungvögel wegen Futtermangel und Stress
  • Jungvögel verlassen zu früh die Horste, wodurch sich die Sterblichkeit erhöht
  • In Extremfällen kann auch eine Revieraufgabe die Folge sein

In den meisten Fällen kommt es durch Störungen zu einem geringeren Bruterfolg und einer Verringerung der Fitness der Vögel.


Lebensraumverlust

Ein weiteres Problem stellt der Lebensraumverlust für den Kaiseradler dar. Oftmals fehlen aufgrund intensiver Forstwirtschaft geeignete Brutbäume und der Kaiseradler wird gezwungen, suboptimale Bäume als Niststandort zu wählen. Im Einzelfall kann dies dazu führen, dass die Horste dermaßen instabil gebaut werden, dass diese während der Brutsaison abstürzen und die Brut somit zerstört ist.