Tod von österreichischen Kaiseradler Desiree deckt Vergiftungsfall auf!

09.01.2018.
Am Montag, dem 08.01.2018, wurde unser junger Kaiseradler namens Desiree in einem Feld nahe Svilojevo, im Nordwesten Serbiens, tot aufgefunden. Der Vogel schlüpfte im Frühsommer 2017 in Nordburgenland und wurde am 22.06.2017 von MitarbeiterInnen von BirdLife Österreich besendert. Bis zu ihrem Tod legte Desiree innerhalb von 201 Tagen mehr als 4200 km zurück. Am Sonntag, dem 07.01.2018, ging die Aktivität des Senders plötzlich auf Null zurück.

Sofort wurde Kontakt zu den serbischen Kollegen von PannonEagle hergestellt und die Koordinaten des letzten bekannten Aufenthaltsortes an das Team des Institute for Nature Conservation of Vojvodina und der serbischen Gesellschaft für Vogelschutz und Vogelkunde (BirdLife Serbien, BPSSS) weitergeleitet. Bei der Suche vor Ort wurde dann der Vogel samt Sender tot aufgefunden.  Umliegendes Ackerland, Wiesen und Büsche wurden durchsucht, außer einigen Fellresten nahe des Kadavers konnte anfänglich nichts gefunden werde. Obwohl weder Giftköder noch andere tote Tiere entdeckt wurden, zeigte Desiree klassische Symptome einer Vergiftung – verkrampfte Beine sowie aus dem Schnabel rinnendes Blut.


The route of "Desiree"
 

Zudem scheint die Gegend um das Dorf ein Hot-Spot für Giftanschläge zu sein. Seit 2014 wurde eine erhöhte Anzahl an Vergiftungen in dem Gebiet festgestellt, in den letzten Wochen wurde eine alarmierende Nummer an Giftködern in ganz Nordserbien gefunden.

Daher wurde am 11.01.2018 im Zuge des internationalen LIFE Projekts pannonEagle die Hundeeinheit von BirdLife Ungarn (MME) hinzugezogen, um die Umgebung auf Kadaver und Köder zu durchsuchen.  Diese besteht aus den Giftspürhunden Falco und Carlo und dem Hundeführer Gabor Deák. Gemeinsam mit MitarbeiterInnen der Organistationen BPSSS, INVCP, Environmental Inspection of Province of Vojvodina, “Vojvodinašume” und der lokalen Polizei, wurde die Umgebung akribisch untersucht.

Leider bestätigten sich dadurch die Befürchtungen: Überreste von 5 Mäusebussarden, 7 Goldschakalen, 2 Elstern, einem Fuchs und einem Hund wurden gefunden. Weiters wurde eine Reihe an Ködern in Form von Schafshäuten und Eingeweiden und Hühnerüberresten entdeckt. Diese hatten alle eine rosa Einfärbung, ein Indiz für die Benutzung von Gift - höchstwahrscheinlich das verbotene Pestizid Carbofuran.


Falco and Carlo at work (Photos: Gábor Deák, MME/BirdLife Hungary)


The dogs were fitted with transmitters so we can follow the route of the search party (Image: MME/BirdLife Hungary)

Aber auch das war noch nicht alles: Am 14.01.2018 wurden nur wenige hunderte  Meter entfernt weitere Opfer gefunden:  zwei Seeadler, ein Mäusebussard und zwei Goldschakale. Unter den insgesamt 23 toten Tieren fanden sich sowohl frische Kadaver als auch sehr alte Überreste, was darauf hindeutet, dass solche Vergiftungsfälle in dieser Gegend regelmäßig vorkommen dürften.

Erinnerungen an den Vergiftungsfall aus Österreich im Jahr 2016 mit 35 toten Tieren werden wach.


The poisoned bait and its victim (Photos: Gábor Deák, MME/BirdLife Hungary)

Das aktuell betroffene Gebiet in Serbien befindet sich in der Nähe des Gornje Podunavilje Naturreservoir in Serbien und dem Kopački Rit Naturpark in Kroatien (beide IBA’s und Ramsar Schutz-Gebiete). Es stellt eines der wichtigsten Natur-Juwele entlang der Donau dar und ist ein bedeutendes Überwinterungsgebiet für Seeadler und eine Reihe weiterer Greifvögel. Auch die Goldschakal-Population in diesem Gebiet ist eine der höchsten in Serbien, dies führt zu signifikanten Konflikten mit den hier lebenden Menschen. Allerdings basiert der Umgang mit den Schakalen (und zu gewissen Teilen auch Rotfüchsen) nicht auf wissenschaftlichen Prinzipien und beinhaltet massive Jagd und häufiges Vergiften. Schakaljäger bekommen sogar eine Prämie, wenn sie Beweise haben, einen Schakal getötet zu haben. Für Gewöhnlich schneiden sie ihnen den Schwanz ab und erhalten 20€ von den lokalen Behörden. Durch das Vergiften werden Tiere unselektiv und vor allem grausam getötet. Eine Reihe von hochgradig gefährdeten Arten werden so bedroht und fallen dieser Tierquälerei zum Opfer.

Problematisch ist, dass es bei solchen Fällen zumeist keine Täter ausgeforscht werden und es daher zu keinen Verurteilungen kommt, obwohl es sich klar um ein Verbrechen handelt. Auch diese Problematik kennen wir aus Österreich  - auch bei dem besagten Vergiftungsfall von 2016 blieben die Täter unerkannt.

Beim vorliegenden Fall in Serbien bleibt zu hoffen, dass durch das große Medieninteresse die polizeilichen Untersuchungen akribisch durchgeführt und den dortigen Vergiftungen ein Ende gesetzt wird. Erste Verdächtige wurden identifiziert und von Seiten der Staatsanwaltschaft wurde bereits Anklage erhoben. Sollte es zu einem Urteil in diesem Fall kommen, wäre dies der erste für Serbien und würde einen wichtigen Präzedenzfall im Kampf gegen Wildtiervergiftung darstellen.

PannonEagle Team, Serbia & Austria