Kaiseradler

Östlicher Kaiseradler

Der Östliche Kaiseradler (Aquila heliaca, SAVIGNY, 1809) ist einer unserer herausragenden Naturgüter. Der Großteil der europäischen Population brütet in Ungarn und der Slowakei.

Diese Spezies gehört zu der Ordnung der Accipitriformes und innerhalb dieser zur Unterordnung der Accipitridae als Teil der Familie der Aquilinae. Der Körper des Östlichen Kaiseradlers ist 72 bis 83 cm lang; Die Flügelspannweite beträgt circa 190-210 cm. Ein Geschlechtsdimorphismus – Weibchen sind etwas größer als Männchen – ist feststellbar. Das Gewicht der Männchen beträgt 2,5 bis 4 kg, jenes der Weibchen ungefähr 2,8 bis 4,5 kg.

 

Kaiseradler (Fotos: Bence Máté, Szilárd Morvai )

 

 

Verbreitung

Der Östliche Kaiseradler ist eine Eurasische Spezies. Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich im Osten entlang der russischen und ukrainischen Steppe im nördlichen Teil des Kaukasus bis zum Baikalsee. Außerhalb von Russland ist die einzige größere Population des Kaiseradlers im Karpaten- Becken und beschränkt sich im Wesentlichen auf die Pannonische Tiefebene sowie die angrenzenden Gebiete. In Europa brütet der Kaiseradler regelmäßig in Ungarn, der Slowakei, Österreich, Tschechien, Serbien, Rumänien und Bulgarien. Weiters gibt es in der Türkei eine kleine Population.

Als Brutlebensraum nutzt der Kaiseradler die Wälder des Flach- und Hügellandes sowie zunehmend die Niederungen, wo Feldgehölze und Windschutzgürtel als Horststandorte genutzt werden.

 

Erhaltungszustand

Kaiseradler und Sakerfalke sind im Projektgebiet in allen Ländern außer der Tschechischen Republik streng geschützt. Ein Ziel des Projekts ist es, auch dort einen adäquaten Schutzstatus für beide Arten zu erreichen.

Mitte der 1970er Jahre wurden die ersten nationalen Bemühungen zum Schutz des Kaiseradlers in Ungarn und der Slowakei initiiert. Zu diesem Zeitpunkt beschränkte sich die pannonische Kaiseradlerpopulation auf einige wenige Brutpaare und war kurz vor dem Aussterben begriffen.

Internationaler Erhaltungszustand:

  • EU Vogelschutzrichtlinie: Anhang I.
  • Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES): Anhang I.
  • Bonner Konvention (CMS): Anhang I. und II.
  • Berner Konvention (CCEWNH): Anhang II. und III.
  • IUCN Rote Liste: weltweit bedroht / gefährdet (VU)
  • European Conservation Status 2: SPEC 1, Rare

 

Bruthabitat

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Kaiseradler in den Niederungen des Karpatenbeckens weitgehend ausgerottet, nur in den Wäldern der Flach- und Mittelgebirge konnten sich Teile der ursprünglichen Population halten. Seit den späten 1990er Jahren kam es jedoch zu einer beginnenden Wiederbesiedelung der Tieflagen. Mittlerweile befinden sich mehr als die Hälfte der europäischen Kaiseradler-Reviere in den landwirtschaftlich genutzten Niederungen. Die Art bevorzugt Weideland mit Zieselbestand. Oft werden alleinstehende Bäume oder Windschutzgürtel für die Brut gewählt.

 

Adlerhorst auf Ackerland und bei einer verlassenen Farm  (Fotos: Márton Horváth )

 

Brut

Der Östliche Kaiseradler baut seine Horste in den Wipfeln großer Bäume in der Nähe seiner Nahrungsgebiete. Innerhalb eines Reviers werden oft mehrere Horste angelegt und an ungestörten Bereichen kann der Horst bei mehrjähriger Nutzung beeindruckende Ausmaße annehmen. Zumeist störungsbedingt werden in den tieferen Lagen die Horste häufiger gewechselt. Charakteristisch ist, dass von den Niststandorten ein guter Überblick über die Landschaft gegeben ist. Die Eiablage erfolgt zumeist bis Ende März/Anfang April, wobei im Regelfall zwei oder drei Eier gelegt werden. An der Jungenaufzucht sind beide Elternteile beteiligt. Ab Mitte Juli verlassen die Jungvögel den Horst. Im Familienverband nutzen die Jungvögel aber noch bis in den Herbst das elterliche Revier.

 

1 Woche und 5 Wochen alte Kaiseradlerküken (Fotos: Márton Horváth )

Nahrung

Die häufigsten Beutetiere sind Ziesel (Spermophilus citellus) und Feldhamster (Cricetus cricetus), wobei regionsabhängig starke Unterschiede in der Nahrungszusammensetzung feststellbar sind. Zudem werden – vor allem in landwirtschaftlichen Flächen – kleine Säugetiere und Vögel gejagt. Während der Wintermonate kommt aber auch Aas eine hohe Bedeutung zu. Das Brutpaar bleibt über das gesamte Jahr zusammen und jagt oft gemeinsam. Das Weibchen hat beim Verzehr der Beute stets Vorrang.

Migration

In milden Wintern verlassen die Brutpaare ihr Territorium im Regelfall nicht. Die Jungtiere hingegen führen großräumige Erkundungsflüge durch.